Und wieder hat ein neues Schuljahr begonnen - wieder knappe neun Monate Tag für
Tag Woche für Woche die selbe Mühsal, der selbe Einheitstrott von chemischen
Formeln bis zum Herumkommandieren lassen vom Turnlehrer. Und warum die
ganze Hackelei? Ganz einfach: »Š weil ich dort für¹s Leben lern¹!« In der Tat.
Für¹s Leben werde »ich« dort zurechtgeformt und -gedrillt, eingeteilt und gedrückt:
Vom ersten bis zum letzten Tag kann kein Schüler dem autoritären Charakter der
Schule entkommen, was der Lehrer sagt, ist allgemeingültig, wird nicht hinterfragt
und daher meist auch gleich schriftlich festgehalten - das ist die ideale Vorbereitung
für das restliche Leben, welches sich im Wesentlichen nicht von der Schulzeit
unterscheidet. Auch hier gilt unterordnen, Maulhalten und brav Hackeln. Die Regeln
und Vorraussetzungen zum Überleben in ihrem System wollen gelernt sein. Sie, das
sind denjenigen, die uns sagen wo¹s langgeht im - sprechen wir¹s beim Namen an -
Kapitalismus. Entweder anpassen und mitmachen oder vor die Hunde gehen;
entweder möglichst viel roboten (lernen) um etwas für¹s »Allgemeinwohl«, das
Wohl des Staates Österreich zu tun und ein halbwegs menschenwürdiges Leben
führen oder  nach eigenem Gutdünken handeln und dafür dann - ob in- oder
außerhalb der Schule - bestraft werden. All das, was dir und auch jedem anderen
Schüler nicht nur einmal nutzlos vorgekommen ist, alles im Stile der Formel von
Kaliumhydrowasweißichwas, würde wohl zum (Über-)Leben im eigentlichen Sinn
nichts taugen - was beim näheren Hinsehen ja auch kein allzu schwierig zu
erreichender Gedanke ist. Daß wir die Wissensvermittlung als etwas Verwerfliches
ansehen, in irgend einem Sinne dagegen sind, soll damit nicht gesagt sein - die Art
und Weise, mit der sie allerdings im Augenblick betrieben wird, diese brutale
Zwangsbeglückung und das ganze restliche Drumherum sind genauso unnötig wie
unmenschlich. Sie soll die zukünftigen » Mündigen« mit einer ordentlichen Portion
»Stillsitzen und Maulhalten« ausrüsten und zu stolzen, glücklichen Knechten machen,
die sich in die Umstände fügen - was bleibt ihnen auch anderes übrig unter den
momentan herrschenden Zuständen! Wer möglichst lange nichts anderes kennen
gelernt hat als regiert und herumkommandiert zu werden, wer es durch jahrelange
Behandlung dieser Art gewohnt ist, immer zu kurz zu kommen, wird wohl schwer
auf den Gedanken kommen, sich dagegen zu wehren - und damit hat der Staat die
Untertanen, die er sich wünscht. Diese Art der Menschenzüchtung an sich abprallen
zu lassen, ist schwer - unmöglich aber, wenn man alles mit sich geschehen läßt, ohne
nachzudenken, zu hinterfragen; wenn man alles zur Kenntnis nimmt ohne sich auch
nur einmal zu fragen, warum das Ganze und was das eigentlich soll.
Weiters fällt der Schule eine, in der kapitalistischen Verwertungslogik äußerst
wichtige Aufgabe zu: die Selektion in »gute« und »schlechte« Schüler. Die
»Guten« machen nach der Volksschule in einer AHS weiter, nach der vierten Klasse
vielleicht noch eine HAK oder HTL und abschließend vielleicht sogar noch eine
Universität - um die Karrierechancen möglichst hoch zu kurbeln. Später einmal
selber einer von den »ganz Großen« werden, das entwickelt sich im Laufe der Jahre
zum Ziel der Meisten, das Ergebnis der »abschreckenden Beispiele«, die man
immer wieder zu sehen bekommt, derjenigen, die sich entweder auf die
kapitalistischen Spielregeln eingelassen haben oder an ihnen gescheitert sind - sie
formieren zu sozialen Randgruppen; Obdachlosen, Arbeitslosen, und als Folge oft zu
»Kriminellen«.
Den »Schlechten« bleibt nur der Weg in die Hauptschule mit anschließender Lehre,
mit (fragwürdigem) Glück stattdessen eine Berufsbildende Schule. Sie werden ihr
ganzes Leben mit schlechtbezahlten Stellen zubringen, die Drecksarbeit erledigen;
immer gerade genug zum Überleben und vielleicht noch für¹s sogenannte »kleine
Glück« (Urlaub, Familie, ...).
Diese »oberen« und »unteren« Leistungswege bleiben auch nach der »Ausbildung«
noch erhalten - unter¹m Strich heißt das, die Eliten und die »unteren
Bevölkerungsschichten« von morgen werden schon bei den Zehnjährigen von heute
eingeteilt. Ein Ausweg aus der einmal eingefahrenen Schiene ist beinahe unmöglich,
ein Entkommen sowieso. Wer den Leistungsanforderungen der Firmenbosse nicht
entspricht, wird eine Schublade tiefer einsortiert, kann im späteren Leben also
keinen besserverdienenden Job erlangen.
Die Schulung zum Staatsbürger soll Widerstand, Andersdenken und Hinterfragen im
Keim ersticken; soll verhindern, daß die Leute »aufmuckert« werden. Denn - bei
genauerem Hinsehen muß man feststellen, daß dafür vieles spräche: immer höhere
Arbeitslosenzahlen in der »Wohlstandsgesellschaft«, immer härterer Existenzkampf
obwohl dennoch alles glücklich und zufrieden darüber ist, daß es uns so gut geht,
etc. Es kann nicht das bestmögliche System sein, in dem man Anderen mit der
eigenen Arbeitskraft zum Wohlstand verhilft und selber die meiste Zeit mit dem
»um die Existenz Hackeln« verbringen mu&szl