Das Thema Gleichberechtigung ist auch für die Schule sehr wichtig, weil man von gleichberechtigten Partnern viel leichter und eher und mit weniger Hemmungen lernt, als wenn einem das Wissen von einer Autoriät aufgezwungen wird. Schüler werden, wie Kinder in unserer Gesellschaft allgemein, als Objekte betrachtet, als Gegenstände, über die man nach Belieben verfügen kann. Natürlich sind Kinder, wie alle Menschen, in Wirklichkeit Subjekte, die selber denken. Aber dadurch, daß sie behandelt werden, als wären sie Objekte, sinkt das Selbstwertgefühl dieser Menschen, so daß einige dann selber glauben, sie seien nichts wert. Die Schule will den Schülern diese Minderwertigkeit einreden, auch wenn sie offiziell sagt, sie wolle das Gegenteil. Aber Schüler, die selbst glauben, sie könnten nichts verändern, sie seien machtlos, kann man natürlich leichter kontrollieren, beeinflussen und erziehen. Junge Menschen wollen ernst genommen werden. In der Praxis der Schule werden sie das überhaupt nicht. Oder wenn doch, dann aus der Sicht, daß es die bösen Schüler sind, die die armen Lehrer fertigmachen ("mobbing").
Die Degradierung zu Objekten ist ein Angriff auf die Menschenwürde der Schüler. Die Würde des Menschen, und da sind Schüler nicht ausgenommen, ist bekanntlich unantastbar. Die Würde des Menschen ist ein Grundrecht. Grundrechte hängen nicht von irgendwelchen Fähigkeiten oder sogar vom Alter ab.
Und soetwas wie Gleichberechtigung gibt es in der Schule überhaupt gar nicht; weder bezüglich des Geschlechts, des Alters, des Wissen, geschweige denn zwischen Lehrern und Schülern. Man kann zwar sagen, was man denkt (massive Schulkritik strengstens verboten), muß dann aber auch mit den Konsequenzen, z.B. mit schlechteren Zensuren, leben.

Martin Wilke, Schüler aus Berlin, Jugendrechtsorganisation KRÄTZÄ